Mittwoch, 12. September 2018

Wochenbett mit Zwillingen - die ersten 12 Wochen

Hallo ihr Lieben!

Verspätet aber doch möchte ich meine ersten Wochen mit den Zwillingen festhalten. Für mich als Erinnerungsstütze, weil man echt schnell verdrängt und vergisst, und für euch - weil ich andere Erfahrungsberichte immer sehr interessiert gelesen habe und es andere sicher auch so geht.
Ich beginne dieses Post Anfang September, die Mädels sind schon 14 Wochen alt und ich hoffe ich kann mich noch an alles erinnern. Aber früher hatte ich keinen Kopf dafür, oder Zeit.

Das Wochenbett bezeichnet die ersten 8 Wochen nach der Geburt und gilt als eine der wichtigsten Zeiten die man als frische Mama mit dem Neugeborenen verbringt. Hier lernt man sich kennen, knüpft das enge Band und bis zum Ende ist meist die Muttermilchmenge angepasst und man schon gut eingespielt. Es wird empfohlen möglichst viel zu liegen, kuscheln, Haushalt jemand anderen überlassen und einfach nur in die Rolle als Mutter ankommen.
Einen Rat den ich hier weiter geben will!

Ich werde ein bisschen über die 8 Wochen hinaus erzählen, weil es danach nochmal erzählenswert wurde.

Krankenhausaufenthalt
Bei uns war alles ein bisschen anders. Eh klar. Kaiserschnitt bei SSW35+1. Gewicht nur 2205g und 1760g. Winzig kleine Geschöpfe. Ich sah sie erst ca. 5-6 Std nach der Geburt (Geburtsbericht). Sie wurden sofort auf die Neonatologie gebracht, zum Warmhalten und Versorgen. Atemhilfe benötigten sie zum Glück nie, aber sie wurden an etlichen Kabeln zur Überwachung angeschlossen.
Die ersten 2 Tage waren für mich schmerztechnisch DIE HÖLLE! Ich versteh nicht wie man sich einen Kaiserschnitt wünschen kann. Jede Bewegung fühlte sich an, als würde mir jemand ein glühendes Messer über den Unterbauch ziehen. Ehrlich kein Zuckerschlecken. Der Katheder wurde am 1. Tag bald entfernt und ich sollte möglichst viel trinken und alle 2 Std aufs Klo gehen haaaahaaaa.... Aufrichten im Krankenbett und auf die Füße zu rutschen war eine schmerzhafte Herausforderung, vom Gang zum WC ganz zu schweigen.... ich zögerte natürlich das Klo gehen so gut es ging hinaus....
Tipp für andere: fahrt das Kopfteil ganz nach oben, somit sitzt ihr schon fast aufrecht. Dann seitlich festhalten und den Rest hochziehen. Tut dennoch Hölle weh, aber könnte noch schlimmer sein.
Zu den Mädels schob man mich im Rollstuhl rüber. Sie wurden mir in die Arme gereicht zum Kuscheln - aber das Sitzen tat nach einiger Zeit fast mehr weh als die Narbe und ich musste wieder rüber in mein Krankenbett und mein Sitzfleisch entlasten. Das fühlte sich doof an. Sollte ich nicht dauernd bei ihnen sein? Ist es nicht egoistisch einige Std alleine im Bett zu verschnaufen? Und eigentlich gar nicht aufstehen wollen, weil es so scheiße weh tut?
Mein Mann war täglich im Krankenhaus und da er schmerzfrei war, konnte er den Schwestern helfen und lernen wie man mit der Flasche füttert, Windeln wechselt usw. Er konnte somit alles früher als ich, was auch seltsam für mich war.
Nach 6 Tagen ließ ich mich als Patient entlassen, weil es mir schon so gut ging und ich nur noch zum Schlafe und Essen n in meinem Krankenzimmer war. Da die Kinder aber noch etwas drin bleiben sollten, nutzte ich die Gelegenheit des freien Begleitzimmer auf der Neo und checkte dort als Begleitperson ein. Echt ein Glück, weil sie für die gesamte Station nur 1 Begleitpersonenzimmer hatten. So konnte ich von früh bis spät bei ihnen sein.
Die Ärzte auf der Neo sprachen schon an Tag 4 davon, dass wir bald heim dürfen, wenn sie weiterhin so brav sind. Bumm.... diese Ansage so frisch nach der Geburt verursachte mir Panik. Jetzt schon?! Mit den beiden Miniwürmchen?! HILFE! .... Aber mit jedem Tag der verging ebbte meine Panik ab und ich konnte mich an den Gedanken gewöhnen. An Tag 8 schlugen uns die Ärzte vor, dass wir am nächsten Tag heim könnten, wenn wir uns sicher fühlen. Da hatten die Mädels noch nicht beide über 2kg, aber sie tranken brav, meldeten sich regelmäßig und schlugen nie Alarm. Vorzeigebabys - sagte der Arzt. Meinem Mann war es jedoch noch zu früh, weil die Kleine ja noch unter 2kg war und er überall hörte, Frühchen werden erst mit 2,5kg entlassen. So schlugen wir einen Kompromiss vor: wir bleiben übers Wochenende und gehen erst am Montag heim - Tag 11 dann.
Gesagt, getan und da sie übers Wochenende weiter brav zunahmen und nichts passierte, gingen wir am Montag heim.


Heim mit 2225g und 1940g

Notiz zum Bild rechts: wir haben es wie auf der Neo gehalten und den Mädels ein Nestchen gebaut mit Beschattung darüber und mit Decken zugedeckt. Sie waren noch so unmobil und mussten gewärmt werden. Somit bestand keine Gefahr des Erstickens mit Decke. Mit ca. LW 8 haben wir sie mit Schlafsäcken eingepackt.

Rückblickend bin ich sehr froh darum, dass die Mädels auf der Neo untergebracht werden mussten. Das gab mir Zeit mich vom Kaiserschnitt zu erholen. Ich gönnte mir immer den Luxus von mind. 23-6 Uhr zu schlafen. Und ich musste mich in den ersten Tagen nicht um die Mädels kümmern und später auch nie alleine. Ich habe oft bei anderen Zwillingsmamas gelesen, dass sie sich trotz Kaiserschnittschmerzen völlig alleine und überfordert in einem 4-Bettzimmer mit den Zwillingen fühlten - eh klar. Dort ist 1 Schwester für oft 1-2 Zimmer zuständig, heißt vllt 8 Mütter mit Babys. Auf der Neo hatten wir 1-2 Schwestern ganz alleine für uns! Ich musste nichts alleine machen, hatte immer Hilfe und konnte so langsam und sanft lernen was zu tun ist.
Besuch wünschten wir nur ganz wenig, da kamen uns die strengen Besucherrichtlinien auf der Neo sehr entgegen. Nur Familienmitglieder und nur insgesamt 3 Personen, inkl. Eltern. Wir luden nur 3x den wichtigsten Besuch ein. Meine Eltern und meine Schwester (Bruder und Schwägerin konnten wegen Schnupfen nicht).

Daheim
Gleich vorweg: ich lebte in dem Luxus, dass mein Mann daheim war. Er hatte ja im Frühjahr gekündigt, zeitlich perfekt um mich während meiner Bettruhe zu umsorgen. Vorrangig aber um die einmalige Zeit mit den Zwillingen zu verbringen, weil wie oft wird man Vater? Arbeiten kann man später immer noch genug finde ich. Als wir erfuhren, dass es Zwillinge werden, sagte ich früh zu ihm "Schau, dass du da 3 Monate Urlaub kriegst oder freigestellt wirst! Ich werde Hilfe brauchen und du kannst diese einmalige Zeit erleben."
Kann sich nicht jeder finanziell leisten, aber wir zum Glück schon und ich bin unglaublich dankbar. Ohne ihn ständig daheim wäre ich wohl ausgebrannt und in eine Depression oder Mama-Burnout gerutscht. So hatte jeder immer ein Baby zum Füttern, Wickeln oder Trösten. Und selbst das war nicht leicht für mich. Weil wenn das andere Kind in seinem Arm weinte, wollte ich am liebsten hin, es an mich reißen und trösten. Weil man(n) es irgendwie "falsch" machte - dabei einfach nur anders und eben er nicht ich. Muttergefühle - ich sags euch die sind heftig!
Ich schrieb darüber schon auf Instagram: als Zwillingsmama ist man ständig zerrissen und hat irre Angst, dass man beiden nicht genug Liebe oder Hilfe gibt. Man will sich am liebsten zweiteilen und beiden 200% geben - was nicht möglich ist - und einen wirklich depressiv machen kann.

- Frühchenphase
Die ersten Wochen waren einerseits sehr easy. Sie hatten einen 3-Stunden-Rhtythmus und zwischen dem Füttern schliefen sie sofort wieder. Trinkkoma. Kein Wunder - sie waren 5 Wochen zu früh gekommen und somit noch im "Mutterleibmodus", außerdem war trinken sehr anstrengend für sie. Die Pausen dazwischen nutze ich eigentlich nie zum Schlafen, lieber kuschelten wir am Sofa mit je einem schlafendem Baby auf der Brust und Netflix ganz leise angeschaltet.
Andererseits waren da die Nächte. Alle 3 Std geweckt zu werden um im Halbdunklen 1-2 Std zu füttern war hart und noch ungewohnt. Ich glaub es war die 2. Nacht wo ich "zusammenbrach" und völlig fertig schlief, während mein Mann beide fütterte .... haha ups. Nach einer Woche kehrte sich das aber um. Das Adrenalin und sein guter Wille schmolz bei dem Schlafmangel und er verkraftete das abrupte Aufgeweckt werden immer schlechter. Was sich auf die Stimmung auswirkte und ich war irgendwann soweit, dass ich ihn aus dem Zimmer verbannte, da ich ihn nicht ertrug. Lieber mach ich das nächtliche Füttern alleine, als unsere Ehe zu gefährden, weil ich immer wütender auf ihn wurde.
Nachts schlief oft ein Baby auf mir, meist die Kleine, die schon früh Bauchweh hatte und im Schlaf jammerte. Bauch auf Bauch dank der Wärme beruhigte sie sich und schlief - und ich auch. Hab es sehr genossen mit Kind auf mir zu schlafen. Manchmal trapierten wir Polster so, damit beide auf mir Platz hatten und meine Arme entlastet waren, damit ich entspannt liegen konnte. Das war sehr schön! Aber wenn eines aufwachte hatte ich Probleme mich aufzurichten, ohne das zweite auch zu wecken.


- Neugeborenenphase
Immer noch kleine hilflose Wesen, aber kurz vorm errechneten Entbindungstermin fanden sie ihre Stimme und wo vorher nur unruhig herumgewälzt wurde als Zeichen für Hunger oder Schmerzen (wobei Hunger für so kleine Babys auch als Schmerz empfunden wird), wurde jetzt schrill geschrien und das in einer Tonlage, dass man Herzrasen kriegt. Puh!
Nachts betete ich beim Füttern des einen Kindes, dass das zweite sich bitte noch nicht meldet. Weil gleichzeitig füttern stresste mich enorm - ging aber oft nicht anders. Als Frühchen hatten sie noch einen sehr spitzen Hinterkopf (die Große noch ausgeprägter, da sie so lange in BEL lag) und auch noch keine Muskulatur um den Kopf gerade zu halten. Deshalb rollte er immer zur Seite und zum gleichzeitigen Füttern mussten sie vor mir liegen - mit einem Polsterstütze aus Spucktüchern, um die Köpfe zu fixieren. Dann natürlich das Problem des rechtzeitigen Aufstoßen. Ohne Bäuerchen spuckten sie eine Teil der getrunkenen Milch wieder aus - auf sich selbst und dem Bett. Zum Glück waren beide keine krassen Spuckkinder, aber einzelne Male ist es doch passiert, dass ich sogar das Bett neu beziehen musste weil ich nicht alle Bäuerchen rausbekommen hatte und die aufsteigenden Blasen die Milch retour schob. Anfangs war es eine langwierige Geschichte und man wusste nie "waren das alle Bläschen? Oder kotzt sie in 5 Min wenn ich sie jetzt hinlege?"
Und immer wenn sich die Große in einen ordentlichen Schwall übergab, war ich völlig fertig mit den Nerven. Es sah immer nach SO VIEL Milch aus, und ich hatte dann immer Angst, dass etwas nicht mit ihr stimmt. Völlig dumme Angst, aber glaub die hat jede Mama in so einer Situation.
Wir gingen dann früh dazu über, sie nachts am Bauch schlafen zu legen, damit sie sich nicht ankotzen können. Im Krankenhaus wurde das auch oft gemacht und die Krankenschwestern hatten uns gezeigt wie es geht. Die Mädels schliefen so sogar sehr gut, linderte auch das Bauchweh.

Apropos Bauchweh. Mit ca. Lebenswoche 4 verbrachten wir auch nochmal 1 Nacht im Krankenhaus, weil die Kleine zweimal Blut im Stuhlgang hatte und sie uns anboten gleich drin zu schlafen, um eine erneute Anfahrt am nächsten Tag zur Kontrolle zu ersparen. Fand ich praktisch und so schlief ich mit beiden Mädels auf der Kinderstation in einem Einzelzimmer. Blutabnehmen am Kopf war furchtbar. Sowohl für die Kleine, die sehr schrie, als auch für mich, die heulend dabei stand und darauf wartete sie in den Arm nehmen zu dürfen. Boah Hormone und Mutterinstinkte sind mega mächtig! Konnte mich absolut nicht beherrschen. Blutwerte waren großteils ok. Wir durften heim, kamen jedoch regelmäßig zur Kontrolle mit Stuhlproben und schlussendlich vermutete man eine Kuhmilcheiweißunverträglichkeit und wir bekamen Spezialnahrung auf Rezept. Seither gehts der Kleinen besse.

Nach 8 Wochen besuchten uns meine Schwiegereltern, die ja 700km entfernt wohnen, für 2 Wochen. Ich hatte sie bewusst eingeladen, da es uns schon besser ging und ich sie vorm Schub hier haben wollte. Haha die Rechnung ging nicht auf. Wenige Tage nach ihrer Ankuft, wurden die sonst sehr friedlich schlafenden Mädels sehr weinerlich und die Großeltern konnten nur wenig mit ihnen kuscheln und halten - beruhigten sie sich doch nur auf uns. Einige harte Wochen mit viel Geschrei folgte, an das ich mich nur noch bruchstückhaft erinnere. Ich weiß einmal standen wir beide im Schlafzimmer, jeder ein kreischendes Baby am Arm und wir waren einfach nur noch fertig. So fertig, dass wir beide anfingen zu lachen.

Frühchen und Schübe: unsere Erfahrung zeigt, dass man weder den tatsächlichen Geburtstermin noch den errechneten nehmen kann zur Berechnung der Schübe. Bei uns funktioniert SSW38+0. Da wären sie im Bauch auch fertig (laut meinen Wissensstand).

Ein denkwürdiger Moment in den ersten Wochen war folgende Situation:
Mein Mann war nicht daheim (einkaufen oder so glaub ich) und natürlich genau dann hatte die Große Hunger. Blöderweise benötigte die Kleine gerade meine Nähe. Ich versuchte mein bestes und legte die Kleine in meinem Schneidersitz und lehnte die Große rechts an meinen Oberschenkel und versuchte sie zu füttern. Tja die Kleine fand das nicht beruhigend genug und schrie wie am Spieß, die Große auch, weil Mama so lange braucht mit der blöden Flasche und der Hunger groß ist. Schreikonzert im Duett also. Endlich die Flasche im Mund und zumindest rechts Ruhe (mittig schrie ja die Kleine noch immer).... da löste sich irgendwie der Deckel oder das Mundstück von der Flasche und die halbe Flasche ergoss sich auf das Baby.... B o a h ....... Ich war kurz davor aus der Haut zu fahren - hatte jedoch keine Zeit, weil ich wieder neue Flasche machen musste, während die Kleine schrie.....

Brustschreiphase an der Flasche
Alles wurden kurz vor der 3 Monatsgrenze (der heilige Gral für frischgebackene Eltern!) nochmal gewaltig furchtbar. Mit 9/10 Wochen fingen die Zwillinge an sich beim Trinken zu Wehren. Mit Geschrei und verbogenem Körper windeten sie sich - obwohl sie hunger hatten. Sie tranken 3 gierige Züge und dann fing der Horror an. Boah.... So ging das gefühlt den ganzen Tag, weil das Trinken dadurch ewig dauerte und der 3 Std. Rhythmus völlig verschwand. Nachts lief es anfangs besser, da tranken sie ohne Probleme. Mit ca. 12 Wochen hörte das Gott sei Dank auf.

Schlaflose Nächte
Brustschreiphase überstanden - dann kamen nächtliche Trinkprobleme. Sie tranken plötzlich nur noch 60ml statt 120ml, schliefen beim Bäuerchen machen ein und wurden dann dafür nach 1-2 Std. wieder wach und hatten hunger. Oft abwechselnd, weshalb ich nie länger als 1 Std. dazwischen hatte. Wo ich noch dazu Einschlafprobleme bekam und oft wach lag. B O A H ...... das schlaucht mental enorm. Körperlich blieb ich zum Glück fit, aber ich fing an depressiv zu werden nachts. Haderte mit meinem Mama-dasein, hing finsteren Gedanken nach und suchte tagsüber Streit mit meinen Mann. Zum Glück bekam ich noch die Kurve und es wurde besser. Nicht das Trinken an sich, aber wie ich damit umging. Ich versuchte mich nicht zu ärgern, kuschelte beim Füttern wieder gezielt und genoss die Nähe.
Das Trinken wurde nach ca. 2 Wochen glaub ich besser. Dass wir vermehrt den Schnuller nutzten half. Vermutlich hatten sie einfach nur Nuckenbedürfnis zum Beruhigen und eigentlich keinen Durst. Zum Glück konnten wir der Kleinen nach 3 Monaten auch den Schnuller angewohnen, die hatte ihn bisher immer verweigert.

Generell waren das Wochen wo ich jeden Tag am Abend kurz seufzte und mir dachte "wieder ein Tag überstanden". Die Stunden vergingen eh wie im Flug, aber die Tage/Wochen insgesamt scheinbar schleichend. Generell war unser Leben völlig auf Pause. Wir kamen zu nichts. Kochen ging kaum, wir aßen viel Süßes, belegte Brote, Dosenzeug oder bestellten Pizza.
Zum Glück kam meine Mama öfters und brachte uns Essen oder düste mit Staubsauger und Wischer durchs Haus, weil Zeit zum Putzen hatte ich auch null. Auch von meiner Schwägerin bekamen wir regelmäßig leckeres Essen. Ich bin so dankbar für diese Unterstützung und empfehle jeder werdenden Zwillingsmama: holt euch Hilfe wo es nur geht! Ich hasse es um Hilfe zu bitte, ganz fürchterlich. Zum Glück haben Mama und Schwägerin gar nicht darauf gewartet, sondern es einfach getan. DANKE!!! Wir hätten uns sonst noch ewig von schlechtem Essen ernährt.
In solchen Sitautionen merkt man echt wer im engsten Kreis für einen da ist, und Hilfe von sich aus anbietet oder wer sich zurück zieht oder leider kein Verständnis für die Mamaprobleme hat.



Apropos Probleme.... da fehlt ein wichtiger Punkt:
- Stillprobleme
Spoiler: wie ihr gemerkt habt haben wir es nicht geschafft und nach 8 Wochen aufgegeben.
Wieso? Da kamen einige Faktoren zusammen. Im Krankenhaus selbst haben wir viel zu selten angelegt. Sowieso hatten die Schwestern sorge, dass sie zu müde sind von den Stillversuchen, dass sie die Flasche nicht mehr trinken. Und das wichtigste war erst mal zunehmen, egal von welcher Nahrung. Gepumpt habe ich in den ersten Tagen sehr wenig, erst gegen Ende hin habe ich versucht alle 2 Std oder öfter zu pumpen tagsüber. Da wurde die Milch auch "etwas mehr" - wobei immer noch viel zu wenig, selbst für 1 Kind. Ich kam kaum auf 40ml wenn ich alle 2 Std pumpte.
Die Vermutung, dass meine Schilddrüsenunterfunktion nicht richtig eingestellt ist, ergab sich als falsch. Alles ok. Schade, das hätte sich beheben lassen können.
Daheim wurde aus dem ehrgeizigen Versuch es doch noch zu schaffen einfach nur Stress. Wenn ich mit einem Kind kuschelte, fühlte ich mich schlecht und zerrissen - sollte ich doch wieder pumpen, damit die Milch endlich mehr wird. Stillen selbst klappte nur bedingt. Sie saugten brav mit Stillhütchen - ohne wussten sie nicht was sie mit dem weichen Stück Fleisch anfangen sollen, dass ich ihnen flehend hinhielt. Da aber nicht genug Milch kam, wurden sie auch mit Stillhütchen schnell grantig und beschwerten sich. Die Stillberatung, die ich dann als letzten Versuch noch einlud, konnte mir auch nur wenig neues sagen oder helfen. Einzig die Info, dass man Muttermilch ruhig 8 Std draußen stehen lassen kann, war neu und hilfreich. Könnte ich so doch auch nachts mal pumpen (das nächtliche runter schlurfen zum Kühlschrank lockte nämlich zusätzlich wenig). Wir wollten versuchen nur 60ml zu füttern und dass sie sich den Rest anschließend von der Brust holen. Netter Plan - ging aber schief, da ich nicht die Nerven hatte mich ewig anbrüllen zu lassen - in Stereo.
Nach tränenreichen Wochen, weil mir die Entscheidung unglaublich schwer fiel, gab ich auf.
Warum mir das so zu schaffen machte? Weil Muttermilch doch einfach das beste für die Kinder wäre. Gut fürs Immunsystem - wo sie doch eh meine mangelhaften Gene geerbt haben. Weil man sich als Mutter einfach wie eine Versagerin fühlt - weil dafür ist man doch geschaffen! Meine Mama konnte 3 Kinder je 9-12 Monate stillen - warum ich nicht?
Mit 8 Wochen gab ich auf und da ich durch den Stress eh schon so selten abpumpte, hatte ich keine Abstillprobleme. Hörte schlagartig auf zu pumpen und war körperlich ok. Seelisch brauchte ich noch echt lange. Gab ich damit ja auch die lebenslang einzige Chance zum Stillen auf. Sehr wahrscheinlich bleiben es unsere einzigen Kinder und diese Endgültigkeit ließ mich wochenlang hadern.
Jetzt mit etwas Abstand bin ich mit mir im Reinen - es wäre nicht mehr anders gegangen. Die Mädels wurden immer aktiver und länger wach. Da war keine Zeit mehr zum Pumpen und richtig gesaugt hatten sie noch nie an der Brust. War nur irrsinniger Stress und körperlicher Abstand zu den Mädels, weil ich nicht kuscheln konnte sondern an der Pumpe hing - für extrem wenig Milch.

Wochenbettdepression
Hatte ich nicht und doch irgendwie schon, nur halt eine eigene Version davon. Die Stillprobleme ließen mich täglich heulen. Die Tatsache, dass mein Mann ein so viel besseres Gespür für die Bedürfnisse der Mädels hatte, ließ mich in der ersten Woche ebenso an mir zweifeln und weinen. Die nächtlichen Fütterprobleme und generell die Tatsache, dass ich alleine fütterte, weil mein Mann es nicht schaffte nachts fit zu sein, ließ mich streitlustig und gereizt werden - die Hormone begünstigten das noch lustig.
Aber hielt zum Glück alles nicht lange!


Angst vor der Welt da draußen
Ich sags gleich vorweg: ich bin ein feiges Huhn. Ich brauchte ewig um mich zum ersten Spaziergang zu trauen. Sie waren so klein, mussten noch gut zugedeckt und gewärmt werden. Außerdem was tun wenn sie unterwegs beide schreien?! Das Wetter brachte mir noch mehr Ausreden. Erst Hitzewelle, dann Kälte - nie angenehm zum Spazieren.
Mit ca. Woche 8 sind wir erstmals mit dem Kinderwagen in den Garten. Immer gleich das rettende Haus daneben, wenn sie aufwachen und schreien. Ich hatte Angst sie werden krank, wenn ich sie draußen rausnehme. Böser Luftzug usw.
Der erste wirkliche Spaziergang war mit meiner Mama, die merkte, dass ich mich dringend mal wieder bewegen musste und mich alleine aber nicht traute. Daraus wurden regelmäßige Spaziergänge mit einer stolzen Oma, wo ich erleichtert daneben her ging.

Nervenkitzel pur - alleine spazieren gehen mit Zwillingen
Wenig später (LW 12) war ich das erste Mal alleine mit beiden spazieren und seither regelmäßig. Aber es ist echt immer ein logistischer Spagat, weil beide satt und müde sein müssen, zeitgleich! Was bei versetztem Rhtythmus nicht immer einfach ist. Und wenn man es geschafft hat und den Eindruck hat sie wären müde genug, bleibt es ein spannender Spaziergang. Dauernd die Angst im Nacken, dass sie aufwachen und schreien, weil im Kinderwagen liegen doof ist. Zum Glück schliefen sie meist ein. Aber vor allem die Kleine lag anfangs nicht gerne irgendwo rum - will lieber getragen werden - kleine Kuschelmaus! Es ist auch schon öfters passiert, dass sie gegen Ende hin wach wurden und weinten. Die Große kann man gut mit dem Schnuller vertrösten, die Kleine lehnte ihn lange Zeit ab und da muss ich entweder gaaaanz schnell heim fahren, oder sie kurz rausnehmen (oder stückchenweise tragen und Kinderwagen mit der anderen Hand schieben - hatte kein Tragetuch mit).

Einkaufen waren wir noch nie mit ihnen. Unnötiger Stress. Es fährt immer einer alleine.
Zu Besuch wo anders waren wir erst vor kurzem das erste Mal, als sie knapp über 14 Wochen alt waren. Zur Oma zum Mittagessen, wo sie sehr brav waren. Gab zwar auch Geschrei, als die Kleine müde war aber nicht einschlafen konnte, aber haben wir in sicherer Umgebung bei meiner Mama ganz gut gemeistert.
Und nein: mir fällt nicht die Decke auf den Kopf. Vorteil von introvertiert sein, komme gut mit nur meinem Mann als Gesellschaft zurecht. Dazu mehrmals die Woche Besuche von meiner Mama.

3 Monatsgrenze - heiliger Gral?!
Anfangs redet man viel mit anderen Müttern (vor allem die Zwillingsszene ist voller Mamagruppen und Instagrammamas, wo man sich austauscht) und die nicken verständnisvoll und sagen "ja anfangs ist es furchtbar, aber es wird besser! Haltet durch! Mit 3 Monaten wirds besser!" - und man hofft und betet, dass diese 3 Monate schnell vergehen und es keine leeren Worte der anderen waren.
Und dann kommt die 12 Wochen Grenze.... und? Ja es stimmt! Es wird leichter oder schöner. Weil die Kinder nun anfangen zu lächeln und auf einen zu reagieren! Vorher war da nur ein schreiendes armes Wesen, das Hilfe brauchte, sich aber nie bedankte (höchstens mit Stille). Es entschädigt sehr, wenn das Baby dich nach einer schlaflosen Nacht anlächelt, als wärst du etwas besonderes (hey und das bist du als Mama auch!). Bauchschmerzen und Bäuerchenprobleme gehen auch zurück und wer Glück hat, der bekommt auch längere Phasen zwischen dem Trinken. Manche Babys schlafen auch nachts nun länger - aber vorsicht: nicht alle! Gibt genug die ewig nachts etwas wollen. Erwartet lieber nicht, dass ihr bald durchschlafen könnt. Dann werdet ihr nicht enttäuscht.

Unsere haben mit 15 Wochen nun einen 4 Std. Rhythmus, nachts unregelmäßig. Mal alle 2 Std., mal alle 3-4 Std. Da gibts noch nichts fixes.

Ja und wie sind die Mädels nun?!
Außer natürlich sehr süß und hübsch, völlige Gegensätze! In allem was man sich denken kann. Gesichtsform, Augengröße, Farbe der Haut, Augen und Haare. Und vom Wesen und den Fähigkeiten! Es ist faszinierend, so nebeneinander sehen sie nicht wie Schwestern aus (wie bei mir und meiner Schwester hihi). Die Große ist wie der Papa nur ohne Bart scherzen alle Verwandten. Die Kleine sieht aus wie ich als Baby, bestätigt meine Mama und auch Fotos von damals.



Wie fühle ich mich als Mama?
Erstaunlich ausgefüllt und wohl. Trotz 24h Job (bei Zwillingen wohl gefühlt mehr) bin ich in meiner Mitte und liebe was ich tue. Es ist unglaublich wieviel Geduld und Ruhe ich in mir fand in den schweren Momenten. Hier war es sehr gut, dass ich die Bücher "Artgerecht" und "Geborgen Wachsen" gelesen habe und so einen Perspektivenwechsel mit viel Einfühlungsvermögen möglich war.
Aber in den ersten Wochen fragte ich mich doch oft halb im ernst "warum haben wir uns das angetan???". Vor allem die Zwillingssache verkompliziert vieles und machte mich manchmal wehmütig. Wieviel einfacher wäre nur ein Kind! 100% Aufmerksamkeit schenken möglich. Man wäre viel flexibler was Ausflüge und Haushalt betrifft. Ins Tragetuch und hops! Mit dem zweiten Kind daneben geht das nicht. Zum Glück akzeptieren beide den Kinderwagen einigermaßen, sonst käme ich kaum raus. Aber gerade bedürfnisorientiert beiden gerecht zu werden ist anstrengend und erfordert viel Einsatz, damit keines ewig jammern oder weinen muss.
Aber trotz allem würde ich NIE eines meiner Mädels hergeben oder wegwünschen!

Vermutlich hab ich noch einiges vergessen.... aber ich möchte das Wochenbett gerne hinter mich lassen. Es war extrem hart und ich werde keine Mama die diese Zeit vermissen wird. Ich bin froh um jedes weitere Monat und freue mich auf das Kleinkindalter. Malen, spielen, lesen!! Oh ich stand schon sehnsüchtig im Bücherladen und hab die tollen Bücher angeschmachtet....

Liebste Grüße!

Eure Lenja & die Mädels!




Nachtrag:
Die ersten Wochen waren auch deshalb so anstrengend, weil sie beim Trinken sehr viel aus dem Mundwinkel sabberten und man viel mit umgebundenen Tuch auffangen musste, sonst hätte ich sie jedes Mal umziehen müssen, weil der Body völlig nass wurde - was dennoch oft der Fall war. Und wir musste spätestens nach 30ml Bäuerchen machen, sonst kam noch während des trinkens viel wieder retour - was auch oder dennoch öfters passierte.
Trinken/füttern war also echt unentspannt.
Windeln wechseln war entspannend - keine Ahnung wieso da die Medien immer jammern. Wir machen das gezielt freudig und mit Jubel. Und riecht auch nicht so krass eklig bisher, wie alle tun.

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