Mittwoch, 27. Juni 2018

Geburtsbericht der Zwillinge - Kaiserschnitt bei SSW35+1

Hallo ihr Lieben!

Heute am errechneten Entbindungstag der ausständige Geburtsbericht unserer Zwillinge.

Scheinbar haben wir es beide geahnt. Mein Mann prophezeite bereits seit Monaten "Sie werden an deinem Geburtstag kommen, dass wäre so cool! Dann muss ich mir nur 1 Tag merken" :D Typisch Mann oder? Aber auch ich hatte am Wochenende vor meinem Geburtstag das Gefühl "das dauert nicht mehr lange" oder anders gedacht "das schaff ich nicht mehr lange". Die Schwangerschaft war wirklich beschwerlich und ich sehnte dem Ende schon entgegen.

Mein Geburtstag also. Donnerstag der 24. Mai. Ein gewittriger Tag wie fast täglich im Mai. Erst große Hitze und am Nachmittag Blitz und Donner. Gegen 15 Uhr regnete und donnerte es heftig. Vor dem folgendem Ereignis zog das Gewitter aber weiter und es war nur noch bewölkt.
Warum ich das überhaupt erwähne? Weil Luftdruckveränderungen oft Geburten auslösen. :D Bestätigten uns die Hebammen und auch der süße Cousine unserer Mädels kam mitten in einem heftigen Sturm zur Welt.

17:50 Uhr
Ich lag am Sofa in Seitenlage und quatsche mit meiner Mama, die auf Putzbesuch war und gerade die Putzsachen wegräumte. Mein Mann stand in der Küche und wollte uns seinen selbst gebackenen Kuchen anlässlich meines Geburtstag servieren, bevor meine Mama heim fuhr.  Aber beim Rezept war etwas schief gelaufen und der Käsekuchen war zu matschig. Ich tröstete und beschwichtigte meinen Mann noch vom Sofa aus - macht ja nix!
Plötzlich wurde es sehr nass zwischen meinen Beinen und der Fluss hörte gar nicht auf. Ruhig rief ich meinen Mann und sagte "Du ich glaub ich hab einen Blasensprung, ruf mal den Krankenwagen.".
Mama ganz entgeistert: "Echt??" - "Könnte auch Urin sein, aber ist dafür doch zu viel und zur Sicherheit lieber gleich die Rettung rufen. Ich muss liegend transportiert werden."
Gesagt, getan. Mann rief 144 und packt danach die letzten Sachen in die Krankenhaustasche, die schon seit Wochen gepackt war (und teils schon genutzt werden musste). Wir waren sehr gefasst und unaufgeregt. Mussten sogar ungläubig lachen, weil es wirklich an meinem Geburtstag los geht! Wie cool ist dass denn? Vor 33 Jahren hat meine Mama mich zur Welt gebracht und nun ich die Zwillinge?
Keine viertel Stunde später fuhr der Rettungswagen vor. 2 Sanitäter mit Liege kamen rein und begrüßten mich. Ich durfte kurz aufstehen, auf die Liege klettern und dann verabschiedeten wir uns von Mama und versprachen, dass wir uns nachher noch melden. Beim Rausschieben dachte ich noch "Zum Glück hat der starke Regen aufgehört, sonst wären wir jetzt klatschnass". :D
Während mein Mann uns im eigenen Auto folgte, fuhr ich im Krankenwagen ins LKH. Kurze Fahrt, nettes Plaudern mit dem Sanitäter, der auch bald Vater wird. Unterwegs schrieb ich eine kurze Email an meine Gyn mit der Info, dass ich nach Blasensprung auf dem Weg ins Krankenhaus bin und wir uns vielleicht die nächsten Tage drinnen sehen. Die Antwort kam wenige Zeit später mit guten Wünschen für die Geburt.

18:30 Uhr
Ankunft im Krankenhaus. Einchecken und hoch ins Kreiszimmer, wo mein Mann schon wartete. Im Untersuchungszimmer durfte ich meine klatschnasse Boxershort und Unterhose ausziehen und sollte mich auf die Liege legen für die Untersuchungen. Die Bewegung löste wieder Fruchtwasser und ich lief weiter aus. "Die müssen hinterher den Raum wischen" dachte ich noch :D Hörte gar nicht auf. Auch während der diensthabende Gyn mich untersuchte, und auf meinem Bauch rumdrückte, floss immer wieder was raus. Wehenmessung und CTG wurde gemacht. Alles ok. Den Mädels gings gut, weiterhin keine Wehen, Fruchtwasser klar und ohne Blut. Die Hebammen bereiten alles für den geplanten Kaiserschnitt vor. Im OP wurde angerufen und nach freien Raum gefragt. "Wann hab Sie das letzte Mal etwas gegessen?" wurde ich gefragt und Gott sei Dank schon einige Zeit her (14-15 Uhr). Ich hoffte inständig, dass wir bald dran kommen und nicht bis nach Mitternacht warten müssen. Fände es doof, wenn sie doch nicht an meinem Geburtstag zu Welt kommen. Wenn dann bitte den selben Tag!!
Die Hebammen versuchten mir einen Venenzugang zu legen - jedoch vergeblich. Nach 3 Fehlversuchen gaben sie auf, worüber ich erleichtert war. Aua... Gut egal, die Narkoseärzte machen sich sowieso auch immer einen eigenen. Sollen die das nachher im OP erledigen. Also weiter zum nächsten: Intimrasur für den Kaiserschnitt. Haha da gab es großes Lachen. "Ich hab es halbherzig neulich probiert, blind und ohne Spiegel" - sagte ich noch zur Hebamme als Warnung. Als sie loslegen wollte und meine "Arbeit" sah fragte sie lachend "Bist du Rechtshänder?" Hehe ja - ups! Ich weiß nicht wie es aussah, aber scheinbar sehr einseitig und darüber musste sie sehr lachen - wir mit ihr.
Zwischen drin schrieben wir mit meiner Mama, Schwägerin und den engsten Freunden auf Whatsup. Die fieberten der Geburt entgegen und fragten dauernd nach. Sie waren alle aufgeregter als wir :D Schräg! Wir waren voll ruhig und warteten fast schon gelangweilt auf den freien OP.
Nachdem der Harn-Katheder gelegt war, ging es endlich im zukünftigen Krankenzimmerbett Richtung OP. Dort im Flur gab es kurz das Aufklärungsgespräch wegen der PDA und die Hebamme wurden geschimpft, weil ich noch keinen Venenzugang hatte. Sie taten mir leid, weil sie ja für meine doofen Venen nix konnten.
Während ich in den OP geschoben wurde für die PDA musste mein Mann draußen warten. Vor dem Kreuzstich hatte ich etwas bammel. So eine Nadel in die Wirbelsäule - puh das klingt schmerzhaft!! Aber war dann echt harmlos. Die Betäubungsspritze piekste kurz, aber tat mehr weh als dann die PDA selbst - die merkte ich gar nicht.
Danach sollte ich mich schnell hinlegen. Die Beine hoch in das Gestell und da wurden sie auch schon wattig und tau.
Anschließend versuchte sich die Narkoseärztin an den nötigen Venenzugängen, musste aber auch 3x stechen für 2 Zugänge. Boah ich fühlte mich wie ein Nadelkissen! Hatte an dem Tag aber echt zu wenig getrunken, was sich immer zusätzlich verschlechternd auswirkt.

Vermutlich kurz nach 20 Uhr
Zugänge lagen, Sichtschutz hing vorm Gesicht und ich spürte schon undefinierbares Rütteln an meinem Bauch und wunderte mich was sie wohl taten. Werden doch sicher nicht schon angefangen haben, weil mein Mann auch noch gar nicht da war und keiner was kommentierte. Etwas ähnliches dachte sich wohl noch jemand und plötzlich hieß es "Wo ist der Mann? Holt ihn mal."
Der stand ungeduldig draußen und wurde dann überrascht gefragt "wieso sind Sie nicht grün?!" :D Geiler Satz, da wir in den Tagen davor die Marvel Filme sahen und natürlich sofort an Hulk dachten. Er drufte sich dann schnell den grünen OP-Kittel usw. anziehen und dann rein, mit strenger Anweisung "Bloß nicht zum Bauch zu sehen, nicht dass Sie umfallen oder Trauma kriegen!".
Oh also haben sie mich schon aufgeschnitten!? Krass ich hab nix gemerkt. Der diensthabende Arzt bestätigt meinen  bisherigen Eindruck von ihm: echt nicht gesprächig. Es wurde nichts kommentiert was er tat.
Mein Mann durfte sich links von meinem Kopf hinsetzen, wo sie noch versuchten den Stuhl niedriger zu stellen, damit er bloß nicht über den Vorhang sehen konnte :D



20:27 Uhr
Wir wurden von der Hebamme informiert, dass das erste schon draußen ist. Ich sah meinen Mann mit großen Augen an und horchte kurz in mich, was diese Ankündigung in mir auslöst. Hm irgendwie nichts, war so sureal!  Kurze Zeit später hörten wir im Nebenraum ein Geräusch. Der erste Schrei?! Ja scheinbar. Gleich danach hieß es "Beide sind nun auf der Welt". Aber leider beide im Nebenraum zur Untersuchung, sie wurden mir nicht mal gezeigt. Mein Mann wurde gefragt ob er zu den Babys will oder darf - Seitenblick auf mich. Ich gab meine Einwilligung, wäre ja blöd wenn ich es verbiete und er hier nutzlos bei mir sitzt, während sie mich zunähen. Also ging er rüber und durfte sie als erstes von uns beiden sehen. Wenig später kam er zurück mit einem Foto am Handy für mich. So sah ich meine Mädchen das erste mal.
Irgendwann fragte uns eine der Hebammen ob sie ein Foto von uns machen soll. Ich zögerte, aber warum nicht? Also machte sie ein Foto von mir liegend am Tisch (also eh nur Gesicht und Schultern sichtbar) und meinen Mann. Kein schönes Foto, dass ich rumzeigen werde, aber doch eine Erinnerung.
Während ich nachversorgt wurde (im Zuge des Kaiserschnitts wurde außerdem auch die Cerclage entfernt, glaub jedoch gleich zu beginn, damit das Blut abfließen kann) fing das große Zittern an. Meine ganzer Oberkörper zitterte unkontrolliert und extrem nervig. Hörte leider auch länger nicht auf, obwohl sie mir etwas spritzten, dass es eventuell beseitigen hätte sollte. Es wurde auch kurz besser, aber als sie mich dann mit der OP-Liege rumdrehten und zum Ausgang fahren wollten, wurde mir sehr übel und ich übergab mich in eine nette Nierenschale. War zum Glück gleich wieder vorbei, aber das Zittern blieb. Mein Mann verpasste diese kurze Episode, da er schon rausgeschickt wurde.
Wir dachten das Zittern käme von der Kälte im OP, oder durch eine unbewusste Anspannung. Ich nahm den Kaiserschnitt mental voll locker, aber vielleicht nur oberflächlich?? Im Nachhinein haben wir jedoch eine andere Idee woher das Zittern kam: Laut Mutterkindpass hatte ich einen höheren Blutverlust als die üblichen 500ml. Ob nur minimal mehr oder doch gefährlich wissen wir nicht und ich hatte auch nicht so großes Interesse es genau zu wissen. Aber stärkerer Blutverlust könnte das Zittern erklären.

21-22 Uhr
Nach der OP wurde ich in meinem Krankenbett in ein Kreiszimmer gefahren und durfte dort warten bis meine Beine wieder ein Gefühl bekamen. Die Hebamme kam öfters rein, kontrollierte Blutabgang und brachte etwas zu trinken und sogar Kuchen. Sehr cool! Ich hatte ja Geburtstag :) Kurz nach 22 Uhr schrieben wir dann ein Update an die Familie und riefen auch meine Schwiegereltern an. Die hatten wir nicht über den Blasensprung informiert, weil ich niemanden 700km entfernt in Panik versetzen wollte. Sie fielen natürlich aus allen Wolken im positiven Sinne ;)

23 Uhr
Mein Mann durfte dann rüber auf die Neonatologie und unsere Mädchen kennen lernen. Er blieb auch über 1 Std. weg und kuschelte mit ihnen, während ich alleine im abgedunkelten Kreiszimmer lag und wartete dass die Zeit vergeht. Ich hatte im Vorfeld zu ihm gesagt "Zieh ein Hemd ohne T-Shirt drunter an, wenn du uns im Krankenhaus besucht, damit du Haut-an-Haut mit ihnen kuscheln kannst". Das befolgte er auch sehr brav und die Schwestern auf der Neo staunten, als mein Mann sein Hemd aufknöpfte und beide an seine warme Brust drückte. Ich nahm es gelassen, dass er ewig nicht zurück kam. Gönnte ihm das erste Kuscheln, da die nächsten Monate wohl ich mehr Hautkontakt mit ihnen haben werde.

1 Uhr
Endlich spürte ich meine Beine ein bisschen und das Zittern hatte aufgehört. Ich wurde gefragt, ob ich die Kinder sehen will, bevor ich auf das normale Zimmer gebracht werde. Ja wäre schon toll! Aber wie?! Mit dem Bett konnten sie mich nicht rüber fahren, ich müsste in einen Rollstuhl. Puh... aufstehen nach einer OP mit Bauchnaht?
2 Hebammen und mein Mann halfen mir dann und es tat unglaublich weh! Durfte keinen Muskel bewegen oder anspannen und ließ sich ja doch nicht ganz vermeiden. Mit vereinten Kräften und viel Schmerzen schafften wir es dann und sie konnten mich rüber rollen. Wo ich dann endlich die Mädels sah. Beide je in einem Brutkasten und so winzig! Es wurden mir beide der Reihe nach einige Zeit auf die Brust gelegt und ich konnte sie endlich spüren und sehen. Wahnsinn! Erst die ganz kleine zarte Maus, danach die große, die mir auch gleich fröhlich in die Hand pupste hihi

2-3 Uhr
Irgendwann um die Uhrzeit wurde ich wieder zurück gerollt und ich musste mich ins Bett hineinquälen. Extrem Schmerzhaft. Danach ging es auf mein Zimmer und ich verabschiedete mich von meinem Mann.


Tja so kamen unsere Mädels zur Welt! Einige Wochen zu früh, aber sehr gesund. Den Blasensprung hatte offensichtlich unsere größere und BEL-Hockerin verursacht. Beide verbrachten noch 11 Tage auf der Neonatologie, wo es noch viel zu erzählen gäbe. Vielleicht schreibe ich dazu noch ein eigenes Blogpost, mal sehen.

Die Geburt empfand ich als Erlösung. Klingt etwas egoistisch, da SSW35+1 dennoch sehr früh ist, aber der Bauch war so beschwerlich und die Aussicht mich bald wieder schmerzfrei bewegen zu können war eine Erleichterung.
Vor den unglaublichen Schmerzen einer Kaiserschnittnarbe wurde ich im Vorfeld zum Glück ausgiebig gewarnt und ich war darauf vorbereitet. Aber OH MEIN GOTT! ES TUT SCHEISSE WEH. Das will ich echt betonen und jeder Frau mit Kinderwunsch sagen. Ein Kaiserschnitt ist echt keine schmerzfreiere Geburt. Klar, der Akt des zu-Welt-kommen ist schmerzfrei. Aber sobald die PDA nachlässt beginnt die Hölle. Keine Ahnung wie man sich das freiwillig wünscht. Für mich fühlte es sich als, als würde man mir ein glühendes Messer über den Bauch ziehen sobald ich mich bewegte.
Und leider kann man das nur sehr wenig umgehen. Nach nicht mal einem Tag wurde der Katheter entfernt und ich sollte alle 2 Std. aufs WC. Vom Bett aufstehen und dort hin schlurfen war immer die Hölle und ich trank die ersten Tage sehr wenig, um es rauszuzögern. Aufstehen musste ich dennoch, weil die Kinder ja auf der Neo lagen und ich mehrmals täglich hin und her pendelte. Zum Glück im Rollstuhl, aber dennoch: aufrichten, aufstehen, hinsetzen. Wahnsinn wieviele Bauchmuskeln man für die kleinsten Bewegungen nutzt. Die extremen Schmerzen hielten 2 Tage. Dann wurde es langsam besser. Ab Tag 5 benötigte ich keine Schmerzmittel mehr. Ziepte noch öfters, vor allem wenn ich viel nach vorne gebeugt saß, aber nicht tragisch.
Zwei weitere Schmerzquellen gab es dennoch:
Verspannungsschmerzen von der PDA - so erklärten es mir zumindest die Schwestern. Fing in der 2. Nacht an glaub ich. Ein stechener Schmerz in der rechten Rippengegend, wodurch ich kaum atmen konnte. Ich war sehr kurzatmig und sehnte der nächsten Tablette entgegen. Hielt zum Glück auch nicht lange, hab jedoch vergessen wie lange... Vielleicht 2 Tage?
Ein ewiger Schmerzbegleiter war der in meinem Sitzfleisch. Wahnsinn wie unbequem die gepolsterten Liegen auf der Neonatologie waren. Ich stöhnte und humpelte tagelang auf der Neo nur deswegen herum!! Die Schwestern kannten das Problem, aber leider waren sie nicht befugt etwas besseres zu kaufen. Ich würde die Entscheidungsträger ja zwingen ein Wochenende auf diesen Liegen zu verbringen - dann hätten sie sicher Erbahmen mit den besorgten Eltern, die doch bloß ihre Frühchen halten wollten, ohne dass ihnen der Arsch abstirbt....

Ich hoffe ich habe nichts vergessen.
Habt ihr noch Fragen? Wollt ihr noch mehr lesen? Von der Zeit auf der Neo oder den Stillproblemen?
Hatte noch jemand einen Kaiserschnitt? Wie ging es euch mit den Schmerzen?